Christian Worch: Manöverziel erreicht

Der wohl älteste Teilnehmer und zugleich der mit der persönlich größten militärischen Erfahrung wird Herbert Schweiger gewesen sein: Als Kriegsfreiwilliger der Waffen-SS und letztlich im Range eines Untersturmführers (Leutnant) war er vom April 1941 bis zur Niederlage 1945 im Einsatz. Sein Fazit der vierten Demonstration zum Antikriegstag in Dortmund am 6. September: „Damals beim Militär hätten wir gesagt: Manöverziel erreicht!“

Bestimmt können sich über diese lobenden Worte die ganz überwiegend jüngeren Teilnehmer und vor allem die Organisatoren freuen. Die Organisatoren hatten allerdings in der Tat noch mehr zu tun als sonst im Vorfeld beziehungsweise bei der Durchführung einer größeren Demonstration. Zusätzlich zu den sonstigen Aufgaben kam noch hinzu die Koordination und Betreuung ausländischer Kameradengruppen. Diese waren aus insgesamt sechs europäischen Nationen angereist: Belgien, Bulgarien, England, Frankreich, die Niederlande und Tschechien. Zu den insgesamt acht Rednern auf der Auftaktkundgebung und den zwei Zwischenkundgebungen gehörten Kameraden aus Bulgarien, England, den Niederlanden und Tschechien. Damit herrschte zwischen den nicht deutschsprachigen Rednern und den deutschsprachigen ein Verhältnis von genau eins zu eins. (Wobei unser holländischer Kamerad lobend zu erwähnen ist, weil er seine Ansprache in deutsch hielt; wegen der großen Ähnlichkeit beider germanischer Sprachen fiel ihm dies naturgemäß relativ leicht.) Berücksichtigt man, daß Herbert Schweiger und Gottfried Küssel als Bürger der Republik Österreich de jure auch Ausländer sind, obwohl sie dem deutschen Volke angehören, wäre insofern gesehen der Anteil tatsächlich oder pro-forma ausländischer Redner gegenüber den (bundes-)deutschen sogar drei zu eins gewesen. Die weiteren Redner waren Veranstaltungsleiter Dennis Giemsch und meine Wenigkeit.

Auch die Teilnehmerzahl überstieg die Erwartungen sowohl der Organisatoren als auch der Polizei. Bei der Auftaktkundgebung ging die Polizei von cirka tausend aus. Da gedrängt stehende Menschenmengen leicht unterschätzt werden, war ich geneigt, diese Annahme zu teilen. Bei einem Engpaß der Wegstrecke ergab sich jedoch gute Gelegenheit für eine genauere Zählung, und deren Ergebnis war 1.340 Personen. Die Polizei ging zu dem Zeitpunkt von 1.100 aus, was eher eine Schätzung als auch nur eine leidlich genaue Zählung gewesen sein dürfte.

Etwa vierzig Minuten nach dem vorgesehenen Zeitpunkt setzte sich die Demonstration vom Ort der Auftaktkundgebung am Stadthaus, wo Dennis Giemsch, Herbert Schweiger und Gottfried Küssel gesprochen hatten, in Bewegung. Die Verzögerung war im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die Polizei bei der Sicherung der Wegstrecke besonders gründlich sein wollte. Zuvor beziehungsweise zeitgleich hatte es mehrere linksgerichtete Gegenkundgebungen gegeben. Teilnehmer der einen versuchten mit mehreren hundert Mann, in die Nähe unserer Kundgebung vorzudringen, was ihnen vorher vollziehbar polizeilich untersagt worden war. Die Polizei war imstande, diese Vorstöße zu unterbinden; gegen die Verantwortlichen wird es wahrscheinlich Verfahren wegen Verstoß gegen versammlungsrechtliche Auflagen geben.

Auf dem ersten Teil der Wegstrecke war von politischen Gegnern nichts wahrzunehmen. Erst kurz vor der ersten Zwischenkundgebung beglückten sie uns durch ihre Meinungsäußerung; an einer Stelle vier vermutlich noch minderjährige Mädchen, die aus dem Fenster eines Hauses eine Israel-Fahne hängten, und an einer etwas entfernteren Kreuzung eine Ansammlung von vielleicht vierzig oder fünfzig eher gutmenschlich als radikal links aussehende Leute, die sich mit Trillerpfeifen und Parolen bemerkbar zu machen versuchten. Überwiegend blieb es bei dem Versuch, weil unsere Demonstration allein aus zahlenmäßigen Gründen deutlich lautstärker war.

Auf der ersten Zwischenkundgebung sprachen der englische, der bulgarische und der tschechische Kamerad. Ihre Reden wurden jeweils übersetzt.

Auf der zweiten Zwischenkundgebung sprachen der niederländische Kamerad und meine Wenigkeit.

Bis dahin war das Verhalten der Polizei überwiegend korrekt beziehungsweise kooperativ. Schikanöse Behandlung von Teilnehmern scheint es eher nicht aufgrund einer „Weisung von oben“ gegeben zu haben, sondern wohl eher durch einzelne übereifrige Beamte. Unangenehm aufgefallen ist, daß Polizeibeamte ältere Teilnehme, die sich hinten im Zug befangen, aufforderten, ihren Schritt zu beschleunigen und ihnen, als sie dazu nicht imstande oder willens waren, teilweise von hinten in die Hacken traten. Man scheint bei der nordrhein-westfälischen Polizei noch nicht gelernt zu haben, daß die Wahl des Tempos eines Demonstrationszuges unter anderem auch unter das Selbstbestimmungsrecht des Veranstalters über den Ablauf seiner Veranstaltung fällt. Andere Teilnehmer wurden zeitweilig gehindert, den Zug zu verlassen, um eine Gelegenheit zum Austreten zu suchen. Einzelne Polizeibeamte scheinen nicht zu wissen, daß im Lichte des Grundrechts aus Artikel 11 Grundgesetz (Freizügigkeit) es jedem Teilnehmer freisteht, eine Versammlung zu verlassen und wieder zu ihr zurückzukehren, wann immer es ihm beliebt. Niedlich war ein Polizeibeamter, der mich an dem erwähnten Engpaß sogar unter eigenem körperlichen Einsatz an der von mir angestellten Zählung hindern wollte, indem er nach erfolgloser Aufforderung versuchte, mich in den Zug hineinzudrücken. Die Zählung konnte er damit nicht beeinflussen, weil der ganze Zug bis auf eine letzte Gruppe von vierzig Teilnehmern inzwischen an mir vorbeigezogen war.

Dies alles waren also eher Kleinigkeiten, wie sie durch Fehlverhalten vornehmlich einzelner Polizisten wohl bei jeder größeren Demonstration vorkommen und von der ganz überwiegenden Masse der Teilnehmer nicht einmal wahrgenommen werden.

Repressiver aber wurde es ca. 200 Meter vor dem angemeldeten und polizeilich bestätigten Endpunkt der Demonstration. Aus Gründen, die bisher wohl niemand weiß, sperrte die Polizei dort die Straße. Vielleicht war es einfach mangelnde Ortskenntnis; vielleicht wollte man auch dem Ende zu mal ein wenig die Muskeln spielen lassen. Nachdem eine Intervention des Versammlungsleiters zu keinem Erfolg führte und die vor allem aus radikalen Kräften bestehende Spitze des Zuges lange genug gewartet hatte, führte diese Repression zu einer mehr oder minder sportlichen Drängelei, wobei die Polizei sich sehr bemühte, sich von den Teilnehmern nicht an Sportlichkeit überbieten zu lassen. Dabei kam es letztlich auch zu kleineren Auseinandersetzungen; auf der einen Seite flogen Böller und Flaschen, auf der anderen Seite wurde von staatseigenem Pfefferspray Gebrauch gemacht. Die Polizei berichtet von 16 Beamtinnen und Beamten, die durch Flaschenwürfe oder Böller verletzt worden seien. Über die genaue Zahl verletzter Demonstrationsteilnehmer ist nichts bekannt; ich persönlich habe etwa ein halbes Dutzend beobachtet, jedoch mögen es vielleicht auch mehr gewesen sein, weil man ja seine Augen nicht überall haben kann. Schwerer wiegende Verletzungen, die eine krankenhausärztliche Behandlung erforderlich gemacht hätten, scheint es auf keiner Seite gegeben zu haben. Somit sprach dannauch der Polizeibericht von einem trotz einiger Zwischenfälle „ruhigen Verlauf“.

Die Gegendemonstrationen sollen nach Polizeiangaben 3.000 Teilnehmer gehabt haben. Vermutlich sind dabei aber sehr viele mehrfach gezählt worden; denn etliche hundert von ihnen zogen mehr oder minder vagabundierend von jeweils einer zur nächsten der mehreren angemeldeten Gegenveranstaltungen. Da die mehr gutmenschlich als linksradikal ausgelegte größte dieser Gegenveranstaltungen 1.500 Teilnehmer gehabt haben soll, ist es eine wohl realistische Schätzung, daß es insgesamt nicht mehr als 2.000 Meinungsgegner gewesen sein dürften, die auf der Straße gewesen sind, und damit gerade mal etwa um die Hälfte mehr als wir. Ein Ergebnis, das man natürlich auch unter dem Aspekt bewerten muß, daß diese üblichen „gesellschaftlich relevanten Gruppen“ natürlich über eine Menge Geld und Infrastruktur verfügen, die ihnen die Mobilisierung erleichtern. So gesehen, waren sie in Wirklichkeit nicht stärker als wir.

Fazit:

Der Antikriegstag in Dortmund hat sich mit dieser vierten Veranstaltung in Folge wohl endgültig als ein fester Termin auf der nationalen Agenda etabliert. Die kontinuierliche Aufbauarbeit zeitigte erfreuliche Wirkung. An Organisation und Ablauf gab es nicht ernsthaft etwas auszusetzen. Vereinzelt beklagten Teilnehmer die lange Dauer. Dies lag außer der erwähnten relativ kurzen Verzögerung beim Abmarsch an der langen Wegstrecke (fast sechs Kilometer) und auch daran, daß Reden, die übersetzt werden, natürlich doppelt so lange dauern, wie wenn eine Rede nicht übersetzt werden muß. Beifällig wurde aufgenommen, daß die Organisatoren eine Vielzahl von Versammlungshilfsmitteln vorgehalten haben; es mögen fast 100 schwarz-weiß-rote Fahnen und nahezu ebensoviele Trageschilder mit Plakaten gewesen sein. Vorteilhaft war auch, daß das Wetter angenehm war; mild und trocken. Letztlich also eine rundum erfolgreiche und befriedigende Aktion.

Hamburg, den 7. September 2008
Christian Worch

2 Antworten zu “Christian Worch: Manöverziel erreicht”


  1. 1 NPD KV UNNA / HAMM September 8, 2008 at 4:00 pm

    Vollkommen einverstanden mit der Schilderung von Christian Worch. Auch von unserer Seite Gratulation an die Organisatoren.
    Eine rundum gelungene Veranstaltung.
    Bis 2009. Wir werden dabei sein.
    http://www.npd-unna.de

  2. 2 Resistore Vertrieb September 8, 2008 at 7:42 pm

    Die Demonstration verlief wirklich gut und die Redner haben hervorragende Reden gehalten. Besonderer Dank gilt den Kameraden aus dem Ausland, die extra für die Demonstration angereist sind. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

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