Farbige Abwechslung für die Stadt versetzt „Antifaschisten” in Angst.

Seit einigen Wochen bringen zahlreiche neue Aufkleber, Plakate und Graffititags mit politischen Aussagen Farbe in die graue Monotonie des Delmenhorster Stadtbilds und die kleineren Städte im Landkreis Oldenburg. Was manche Jugendliche als willkommene Abwechslung vom Schul- und Arbeitsalltag der Leistungs- und Verwertungsgesellschaft empfinden, scheint andere allerdings derart zu verunsichern, dass sie bereits glauben, um ihr Leben fürchten zu müssen. So können interessierte Menschen im Blog der regionalen Antifa lesen: „Mord ist nicht mehr weit in Delmenhorst“! Für die „Antifaschisten“ Handlungsbedarf genug, um beim Staatsschutz (politische Polizei) Hilfe zu suchen und eine „Spontandemonstration“ mit „etwa 50“ Menschen offensichtlich zu erfinden ( – sollte jemand trotz der fraglichen Umstände, unter denen die angebliche „Demonstration” stattgefunden haben soll, andere Informationen haben, würden wir uns über eine Email freuen). Die „Autonome“ Antifa scheint in Delmenhorst endgültig ihre eigenen Prinzipien vergessen zu haben.

Besagte Aufkleber.

Weshalb die selbsternannten „Antifaschisten“ von alternativen politischen Aussagen wie „100% Volksgemeinschaft – 0% Konsumgesellschaft“ oder „Holen wir uns die Stadt zurück!“ auf Mord schließen, bleibt offen. Ironischerweise waren es ja grade diese, die durch Aufkleber und Graffititags mit Mackergehabe wie „Hunt da fuckin’ nazis“, „Nazis passt bloß auf – wir kriegen euch alle“ oder „Macht keine Gefangenen, tötet alle Nazis“ Gewalt gegen Andersdenkende (vermeintliche „Nazis“) propagiert hatten. Jedenfalls ist dem „Delmenhorster Kreisblatt“ vom 13.06.2008 jetzt zu entnehmen, ein „19-jähriger Schüler als Mitglied der linksautonomen Antifaschistischen Aktion“ habe bei der Polizei Anzeige erstattet, weil er von „Neonazis“ bedroht werde; der Staatsschutz hat unterdessen die Ermittlungen aufgenommen. Wie die Delmenhorster „Antifaschisten“ ihre vermeintliche „Autonomie“, also die Selbstbestimmtheit ihres Handelns, begründen ist angesichts der Zusammenarbeit mit den Repressionsorganen dieses Staates nicht nur für nationale Sozialisten, sondern sicherlich auch für auswärtige „Antifaschisten“ fragwürdig.

Lachen oder weinen? Wir entscheiden uns für ersteres, das Weinen überlassen wir der Antifa. (Text:Autonome Nationalisten kriegen von der Antifa auf die Fresse”).

Als ob es neben unfreiwilliger Komik wie der Gewaltorientiertheit der „antifaschistischen“ Propaganda zum Einen und ihrer „Opferrolle“ zum Anderen eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass die „regionale[n] Antifa[s] in Delmenhorst“ eher Internet- als Stadtguerilla sind, will die Gruppe eine Spontandemonstration mit etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter dem Motto „Denn es ist unsere Stadt!“ durchgeführt haben. Wann diese aber statt gefunden haben soll, scheint auch für die Antifas nicht ganz bewusst zu sein: In ihrem Blog berichteten sie so zuerst, der Demonstrationszug habe sich am Donnerstag, den 12.06.2008 durch die Delmenhorster Innenstadt bewegt. Tatsächlich gab es zu diesem Zeitpunkt eine Demonstration in der Innenstadt; allerdings angemeldet und im Rahmen eines „Schülerstreiks“ der IGS (Integrale Gesamtschule) für bessere Bildungsperspektiven. Zwar nahmen an der Veranstaltung auch sieben komplett vermummte – wozu Vermummung bei einer Schüler/innenveranstaltung nötig sein soll, bleibt uns verschlossen – „Antifaschisten“ (Felix und Jakob Lehmann, David Erdmann, Florian Heuermann, Henning Ihm, Alexander Korte und eine weitere Person) teil, die restlichen 43 waren allerdings zumindest für diesen Tag ebenso frei erfunden wie das angebliche Demonstrationsmotto, Transparente, Sprechchöre und Solidaritätsbekundungen aus der Bevölkerung. Weiterhin interessant ist, dass die anwesenden Antifas während der Veranstaltung mit Delmenhorster Staatsschützern plauderten, was entweder auf eine – eher unwahrscheinliche – verdeckte Zusammenarbeit zwischen „Antifaschisten“ und Staatsschützern, oder aber auf eine ausgesprochene Naivität ersterer schließen lässt, da der Staatschutz sicherlich kein gut gemeintes Interesse an systemkritischen Ansichten hat.

Mittlerweile wurde der Artikel im Blog überarbeitet. Anscheinend ist den Verfassern der Umstand aufgefallen, dass Schülerinnen und Schüler ja eine andere Version als die ihrige berichten könnten – jedenfalls soll die angebliche Spontandemonstration nun plötzlich am Vortag, Mittwoch den 11.06.2008 und nicht mehr in der Innenstadt, sondern vom Bahnhof um den Cityring stattgefunden haben. Da die „Korrekturen“ des Datums und der Wegstrecke in der „antifaschistischen“ Darstellung doch fragwürdig erscheinen, im Polizeibericht kein Wort über eine spontane Demonstration zu lesen ist und Personen, die sich an besagtem Tag in der Innenstadt aufhielten keinem schwarzen Block in die Arme gelaufen sind, liegt es nahe, dass diese „Demonstration“ der „Antifa in Delmenhorst“ frei erfunden ist. Offenbar in Erklärungsnot wird im Blog der Gruppe nun behauptet, die „Demonstration“ habe „nicht zur hauptbesucherzeit“ [sic!] stattgefunden, weshalb wahrscheinlich auch derart viele Jugendliche und Bürger, so der Wortlaut, „in die gerufenen Parolen einstimmten und sich der Demonstration anschlossen“. Vorsicht, Ironie! Dennoch: Ob, und wenn ja unter welchen Umständen, die angebliche „Spontandemonstration” tatsächlich stattgefunden hat, ist zur Zeit noch nicht zweifelsfrei geklärt.

Wenn die „Antifaschisten“ bereits „Spontandemonstrationen” erfinden müssen, um zu suggerieren, dass Delmenhorst „ihre Stadt“ sei, kann das nur als Verzweiflungstat gewertet werden. Wir jedenfalls haben uns mordsmäßig amüsiert und sind uns sicher: Der Sommer wird heiß!