Horst Wessel – unvergessen!

„Wer in Berlin zur SA kam, trat unter die Verfemten. Sein Weg wurde zum engen Paß zwischen Polizei und Pöbel. Hier hatte er zu stehen oder zu fallen.“ - Joseph Goebbels

Am 23. Februar 1930 starb ein junger Nationalrevolutionär nach fünf grausamen Wochen im Berliner Krankenhaus am Friedrichshain an den Folgen einer Schussverletzung, die ihm Kiefer und Zunge weggerissen hatte. Heute, nach 79 Jahren, ist sein Name verleumdet, sind seine Taten vergessen und auch nur auf das Summen der Melodie seines Liedes stehen hohe Haftstrafen. Und doch ist dieser Mann noch heute Vorbild für junge Menschen, die an Deutschland und den Sozialismus glauben. Seine Name war: Horst Wessel!

Was aber war das für ein Mensch…

Horst Wessel wurde am 09. Oktober 1907 als Sohn des Pastors Dr. Wilhelm Wessel und seiner Frau Luise in Bielefeld geboren. Nach dem Umzug seiner Familie nach Berlin fand er dort, seinem bürgerlichen Elternhaus trotzend, bald Anschluss an verschiedene politische Gruppierungen: Als Fünfzehnjähriger trat er 1922 der „Bismarkjugend” (der Jugendorganisation der Deutschnationalen Volkspartei) bei, die er 1925 wieder verließ; zumal die reaktionären „Rechten” dem schweren Los des Berliner Proletariats nur Desinteresse entgegenbrachten. Mitte der zwanziger Jahre hatten 120.000 Familien in Berlin keine feste Behausung, 45.000 lebten in sozial schwächsten Unterkünften: Im Arbeiterstadtteil Wedding hatte nahezu keine Wohnung eine Zentralheizung, nur jede zehnte eine Waschmöglichkeit und etwa jede zweite eine Toilette. Über den schon radikaleren „Wikingbund” fand Wessel so als erster Berliner Student 1926 – zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters – zur NSDAP und der Sturmabteilung. 

Von diesem Zeitpunkt an beteiligte sich der junge Student maßgeblich am Aufbau der Berliner SA, Ideen und Inspiration fand er dabei während eines Aufenthaltes in Wien im Wintersemester 1927/28 bei den Kameraden vor Ort. Unter seiner Führung lebte und arbeitete der weltanschaulich besonders durch das Arbeitermilieu – also radikalsozialistisch und revolutionär – geprägte Sturm 5 im als „rot” bekannten Bezirk Friedrichshain. Wessels Sturm hatte sich immer von anderen abgehoben: Nicht nur, dass er keiner Standarte unterstand und damit eigenständig war; die Aktionen der SA-Männer erregten Aufsehen. Sie umstellten kommunistische Kneipen, der Sturmführer hielt Reden vor den anwesenden Genossen und oft stellte er sich bereitwillig als Diskussionspartner für kommunistische Veranstaltungen zur Verfügung (allein im Jahr 1929 sprach Horst Wessel auf 56 KPD-Veranstaltungen!)… Auf diese Weise fanden viele Arbeiter und Sozialisten, die erkannt hatten, dass die Grabenkämpfe zwischen  „rechts” und „links” nur den kapitalistischen Status Quo nutzten, zur Sturmabteilung. Dieser tiefe Einbruch der Nationalsozialisten in die eigene Front wurde den Funktionären der KPD so bald ein Dorn im Auge. 

Auch in besonders sozial schwachen und von Armut gezeichneten Milieus wurden die Nationalsozialisten propagandistisch tätig, zumal Wessel diese als erheblichen Teil des sozialen Umfelds in seinem Sturmbezirk verstand. Hier lernte der Student die Prostituierte Erna Jaenichen kennen, die zusammen mit ihm wieder in ein „geregeltes” Leben fand, und verlobte sich mit ihr. Gegen Jahresende 1929 arbeitete er neben seiner politischen Aktivität als Taxifahrer und Seite an Seite mit seinen Kameraden als Arbeiter auf einer U-Bahn-Baustelle, wofür er sein Studium mehr und mehr vernachlässigte. Seine Lebensumstände führten so bald zum Bruch mit seiner Familie. 

Im Dezember 1929 nahm sein Bruder Werner Wessel an einem Ski-Ausflug der SA ins Riesengebirge teil. Er verirrte sich in einem Schneesturm und erfror, was die bereits schwierige persönliche Situation des Studenten noch verschlimmerte. Als die Leiche nicht sofort geborgen worden konnte, organisierte Wessel selbst einen LKW, um den Toten aus dem eingeschneiten Gebiet zu holen. 

Nationale SozialistInnen brachten in der Nacht zum 23. Februar Transparente, Plakate und Aufkleber im Delmenhorster Stadtgebiet an, um an das Schicksal Horst Wessels zu erinnern. Hier: Transparent am Parkhaus beim Bahnhof.

…und warum wurde er ermordet?

Zu diesem Zeitpunkt hatten Erna Jaenichen und Horst Wessel gemeinsam eine Wohnung im Friedrichshain bezogen. Als das junge Paar in Streitigkeiten mit der Vermieterin Salm geriet, wandte diese sich am 14. Januar 1930 an die KPD. Als die Kommunisten erfuhren, um wen es sich handelte, schickten sie noch am selben Abend ein etwa 15-köpfiges „Rollkommando” unter der Führung des 16-fach vorbestraften Zuhälters Albrecht „Ali” Höhler zu Wessels Wohnung. Unklar ist heute, ob die Genossen den jungen Sturmführer „lediglich” krankenhausreif schlagen wollten oder ob (geschlossen) Mordabsicht bestand – jedenfalls schoss Höhler Wessel sofort in den Kopf, als dieser die Tür öffnete. Der Schwerverletzte litt noch bis zum 23. Februar, bevor er ihn der Tod von seinen Schmerzen befreite. 

Zur Beerdigung des Arbeiterführers erschienen zwischen 20.000 und 30.000 Menschen, um von ihm Abschied zu nehmen. Es kam zu Gegenprotesten und Ausschreitungen zwischen Nationalsozialisten, Kommunisten und Bereitschaftspolizei. Auf die Friedhofsmauer hatten politische Gegner zum Entsetzen der Familie, FreundInnen und KameradInnen des Toten in Anspielung auf seine Verlobte in großen, weißen Buchstaben „Dem Zuhälter Horst Wessel ein letztes ‘Heil Hitler’” geschrieben…

Die KPD versuchte im Folgenden, die Ermordung Horst Wessels als den blutigen Ausgang eines Streites zwischen zwei Zuhältern darzustellen – angeblich ohne politischen Hintergrund. Während die Partei sich offiziell von Albrecht Höhler abgrenzte, unterstützte die „Rote Hilfe” ihn bei der Flucht nach Prag. Die vermeintlich kommunistische Familie, bei der der Zuhälter dort untergebracht war nahm das von der „Roten Hilfe” eigentlich für Höhler bestimmte Geld allerdings lieber für sich, und so kehrte dieser bald freiwillig nach Deutschland zurück. Auf seine Festnahme folge im September 1930 der Prozess. Die beiden Haupttäter verurteilte das Gericht wegen gemeinschaftlichem Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes zu sechs Jahren und einem Monat Gefängnis, die Vermieterin Salm zu Eineinhalb Jahren auf Bewährung, es folgten weitere Haft- und Bewährungsstrafen. Albrecht Höhler wurde 1933 während eines Gefangenentransports von SA-Männern entführt und erschossen.

Transparent an der Eisenbahnbrücke über die Stedinger Straße. Text: Horst Wessel – sein Opfer, unser Auftrag.