„Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als besiegter Feindstaat.” – Winston Churchill, britischer Premierminister (1940-1945 / 1951-1955)
Es ist Anfang Mai und der Frühling scheint auf allen Ebenen Einzug zu halten. Die Sonne scheint schon seit April fast ununterbrochen, und während die Menschen in unserem Land ihre freie Zeit in den Stadtparks und an den Badeseen genießen, hört man aus den USA trotz der globalen Wirtschaftskrise fast nur positive Nachrichten. Nicht nur, dass US-Präsident Barack Obama sich ganz anders als sein Vorgänger George W. Bush gibt, sich plötzlich um Menschenrechte bemüht , das „Gefangenenlager“ Guantanamo schließt und mit gemäßigten Taliban Friedensverhandlungen führen will – nein, er erfreut die krisenmüde bundesrepublikanische Gesellschaft auch noch mit seinem Familienleben, seinem portugiesischen Wasserhund „Bo“ und den Gemüsebeeten der „First Lady“. Und ganz nebenbei töten amerikanische Bomben bei einem Luftangriff der NATO im Westen Afghanistans bis zu 120 Zivilisten. Auf den Tag genau 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern uns die Nachrichten aus der westafghanischen Provinz Farah an die militärische Niederlage Deutschlands und die Menschenrechtsverletzungen, die unsere Großelterngeneration zum Kriegsende und danach erlitt. Und während eigentlich Anlass zum Gedenken der mehr und mehr vergessenen Opfer des Krieges besteht, bereitet sich die von den US-Besatzern errichtete Bundesrepublik auf die Feiern zu ihrem sechzigsten Jahrestag vor…

Auch in diesem Jahr machten unbekannte Aktivistinnen und Aktivisten durch Aktionen auf Unstimmigkeiten im gesellschaftlichen Umgang mit der eigenen Geschichte (Befreiungsmythos) aufmerksam. So wurden an mehreren Schulen in Delmenhorst tausende Flugzettel (siehe Foto) verteilt und umgedrehte (anti-)amerikanische Fahnen gehisst.
Kriegsende und Kapitulation.
Am achten Mai 1945 unterzeichneten die deutschen Truppen die bedingungslose Kapitulation des deutschen Reiches. Doch damit sollte das Leid, dass der Zweite Weltkrieg über die Menschen in Europa gebracht hatte, für viele Deutsche noch kein Ende gefunden haben.
(Anmerkung: „Bedingungslose Kapitulation“: Schon seit 1943 hatten die Alliierten zur Beendigung des Krieges nur noch eine bedingungslose Kapitulation Deutschlands akzeptiert. „Bedingungslos“ bedeutet dabei, dass der besiegte Staat keine Souveränität mehr besitzt, sondern den Siegerstaaten ausgeliefert ist. Diese Forderung wirkt dementsprechend kriegsverlängernd.)
Spätestens nachdem die Bevölkerung auf der Flucht aus den deutschen Ostgebieten grausame Erfahrungen mit den Soldaten der Roten Armee gemacht hatte, wurde den Deutschen bewusst dass sie statt Gnade nur einen blutigen Rachefeldzug zu erwarten hatten. Zu Kriegsende waren unzählige junge Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS im Glauben für Deutschland zu kämpfen gefallen, abertausende Frauen, Kinder und alte Menschen im Feuer der alliierten Bombardements verbrannt, auf der verzweifelten Flucht vor der russischen Soldateska erfroren, vergewaltigt oder ermordet worden. Doch auch nach der Kapitulation fand das Leid der Menschen kein Ende: Im deutschen Osten fand unter der Willkürherrschaft der Roten Armee die größte Massenvergewaltigung der Menschheitsgeschichte statt. Kriegsgefangene wurden – wenn nicht gleich erschossen – für Jahrzehnte in die sibirischen Gulags oder die Rheinwiesenlager deportiert, viele kehrten nie zurück. Eigentlich ein Anlass, der Opfer des Krieges zu gedenken…
Es gibt nichts zu feiern!
…und dennoch versuchen heute, vierundsechzig Jahre nach Kriegsende und neunzehn Jahre nach dem Mauerfall, etablierte Politiker, bürgerliche sowie autonome „Antifaschisten“ den heutigen Tag zu einem „Tag der Befreiung“ zu erklären. Auch hier in unserer Stadt wird Schülerinnen und Schülern ein schuldfixierter Umgang mit der eigenen Geschichte vermittelt; verkleben „Antifaschisten“ Plakate mit der Aufschrift „Liberation Celebration“ und rufen zu einer antideutschen Demonstration in Oldenburg auf. Mag dieser Tag eine Befreiung vom Krieg gewesen sein – ihn zu feiern verhöhnt die Opfer des Krieges und missachtet die Tatsache, dass wir auch vierundsechzig Jahre nach dessen Ende in einem Staat leben, für den sich das deutsche Volk sich nie in einer freien Entscheidung ausgesprochen hat, der sich dem kapitalistischen Westen ohne jegliche Kritik anpasst, mitverantwortlich für Kriege und Menschenrechtsverletzungen und alles andere ist als ein selbstbestimmtes und selbstbewusstes Deutschland ist!
Aktionen gegen den Schuldkult und das Vergessen.
Ersten Berichten zufolge regte sich aber auch in diesem Jahr Widerstand in Form von Aktionen nationaler Aktivistinnen und Aktivisten. So sollen zum heutigen Tag an vier Schulen in Delmenhorst (Max-Plank-Gymnasium, Gymnasium an der Wilmsstraße, Wilhelm von der Heide-Realschule und Realschule Süd) tausende themenbezogene Flugzettel auf den Schulhöfen und vor den Schulen verteilt worden seien. An den Fahnenmasten vor drei dieser Schulen sollen außerdem umgedrehte amerikanische Flaggen gehisst worden sein – eine umgedrehte USA-Fahne gilt als Symbol des Antiamerikanismus und Antikapitalismus. Wir gehen davon aus, dass die unbekannten Aktivistinnen und Aktivisten damit auf gesellschaftliche Unstimmigkeiten im Umgang mit der eigenen Geschichte aufmerksam machen und auch für die heutige Zeit ein Zeichen gegen Krieg und Kapitalismus setzen wollen.
