Peter Scholl-Latour, geboren 1924 in Bochum. Promotion an der Sorbonne in Paris in den Sciences Politiques, Diplom an der Libanesischen Universität in Beirut in Arabistik und Islamkunde. Seitdem in vielfältigen Funktionen als Journalist und Publizist tätig, unter anderem als ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina, als ARD- und ZDF-Studioleiter in Paris, als Programmdirektor des WDR-Fernsehens, als Chefredakteur des STERN und als Vorstandsmitglied von Gruner + Jahr. Seine TV-Sendungen erreichen höchste Einschaltquoten, seine Bücher haben ihn zu Deutschlands erfolgreichstem Sachbuchautor gemacht.
Das Antlitz der Vereinigten Staaten wird zunehmend von der Masse der Latinos – in der Mehrheit spanisch-indianische Mestizen -, der Afro-Americans und einer wachsenden Zahl von Asiaten gestaltet werden. Die einst mißachteten Katholiken bilden bereits die bei weitem stärkste christliche Konfession. (S. 9)
Man mag mir entgegenhalten, die „Angst des weißen Mannes“ sei ein Produkt meiner Phantasie, und es lebe sich doch weiterhin recht bequem in dieser „Brave New World“, die sich dem Multikulturalismus und der Multiethnizität ergeben hat. Ich bin so alt, daß ich die Stunde einer akuten Bedrohung wohl nicht mehr erleben werde. Doch schon die kommende Generation wird sich mit der schmerzlichen Anpassung an eine inferiore Rolle im globalen Kräftespiel, an geschwundenes Prestige abfinden müssen und mit dem tragischen Fatum leben, daß den weißen Herren von gestern das sachte Abgleiten in Resignation und Bedeutungslosigkeit bevorsteht. Der Ausdruck „White Man“ ist heute ja schon verpönt und mit dem Odium des Rassendünkels behaftet. (S. 10)
Im Kapitol zu Washington keimte eine Vorstellung, die unter George Bush II zur Obsession werden sollte. Demnach müßten im Zeichen einer ideologischen Gleichschaltung sämtliche Länder des Erdballs die amerikanischen Vorstellungen von Demokratie und Kapitalismus übernehmen. (S. 57)
Von einer monopolaren, auf Washington zentrierten Weltordnung kann nicht mehr die Rede sein, seit die US Army ihr Vietnam-Debakel erlitt, vor allem seit die Volksrepublik China in einem historisch einmaligen Kraftakt den Weg zur Weltmacht beschritt. (S. 177)
[über George W. Bush:] Dieser sportlich auftretende Kapitän Ahab der Neuzeit, der sich gern in jovialer und kumpelhafter Pose auf dem Traktor photographieren ließ, in Wirklichkeit jedoch der Endzeitstimmung der „Evangelicals“ nahestand, büßte jede Glaubwürdigkeit ein, wurde als Künder demokratischer Tugend vollends unerträglich, als er seinen Feldzug „Iraqi Freedom“ mit Fehlinformationen, mit einer schamlosen Irreführung der öffentlichen Meinung zu rechtfertigen suchte. (S. 180)
Die Bush-Administration hatte es nicht gestört, daß die Mehrzahl ihrer Vasallen und Klienten Wahlen oder Volksbefragungen schamlos manipulierte, und notfalls hatte sie sogar tyrannischen Diktatoren, brutalen Militärcliquen oder korrupten Dynastien den Steigbügel gehalten. (S. 181)
Das Gerücht wurde nie widerlegt, wonach der tödliche Anschlag auf den Präsidenten [Kennedy] in Dallas, den man krampfhaft dem Einzeltäter Lee Harvey Oswald anzulasten suchte, von Verschwörungszirkeln erbitterter und enttäuschter Exilkubaner in geheimer Komplizenschaft mit Elementen der CIA sehr professionell angezettelt wurde. (S. 188)
Der Fall Obama steht für eine Gewichtsverlagerung in USA, die weit über das Schicksal seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit hinausreicht. Sein Name klingt wie das Signal für ein Amalgam unterschiedlicher Rassen, für ein multikulturelles Magma, das die schrittweise Umgestaltung Nordamerikas andeutet. (S. 196 f.)
Heute verfügt die israelitische Minderheit in allen Bereichen des ökonomischen, aber auch des intellektuellen Lebens und der wissenschaftlichen Forschung über Spitzenpositionen und übt einen politischen Einfluß aus, der den Kritikern der „Jewish lobby“ absolut disproportioniert und unerträglich erscheint. (S. 199)
[über Jihadisten:] Ich werde diesen Männern, die bereit sind, sich als „Schuhada“, als Märtyrer, zu opfern, niemals meinen Respekt verweigern. (S. 256)
Ich habe bei meinen Besuchen in Jeddah oder Riad niemals eine Bibel mitgeführt. Dafür fand ich als Gabe des Hotels auf meinem Nachttisch eine Ausgabe des „Protokolls der Weisen von Zion“. (S. 273)
Die Gewalt in Tibet war von rotgewandeten Lamas und ihren Gefolgsleuten ausgegangen, die eigentlich im Namen ihrer buddhistischen Lehre sich solcher Übergriffe hätten enthalten müssen. Jedenfalls war die Brandschatzung chinesischer Geschäfte und Niederlassungen, die entfesselte Volkswut, die sich plötzlich nicht nur gegen die fremden Besatzer, sondern auch gegen die muslimische Minderheit der Hui entlud, das Produkt einer präzisen Planung. Um das festzustellen, bedarf es keiner finsteren Verschwörungstheorien. (S. 303)
Dabei geht aus seriösen Studien des Lamaismus hervor, daß Leibeigenschaft, Sklaverei, Erbfolge durchaus übliche Praktiken der damaligen feudalistischen Gesellschaft waren. Dazu gehörten auch eine strenge klerikale Hierarchie, düsterer Dämonenglaube, Geheimriten und „sexual-magische Praktiken“. Die seltenen Filmdokumente in Schwarzweiß, die uns aus der Epoche vormaoistischer tibetischer Unabhängigkeit erhalten sind, veranschaulichen eine Serie von kultischen Ritualen, deren grauenhafter Spuk und die an Epilepsie grenzenden Trancezustände tiefstes Befremden auslösen sollten. (S. 314)
Dem Abendland kann es nicht gleichgültig sein, ja es stellt sich die nackte Überlebensfrage, wenn – um nur diese Beispiele zu erwähnen – die Zahl der Algerier zwischen 1960 und 2000 von acht auf dreißig Millionen hochgeschnellt ist, während der eigene Bevölkerungsstand nur durch den unablässigen Zustrom außereuropäischer Migranten auf dem bisherigen Niveau gehalten wird. Für die außereuropäischen großen Siedlungsgebiete der weißen Menschheit – Nordamerika und Sibirien zumal – gelten ähnlich düstere Perspektiven. (S. 319 f.)
Dem amerikanischen Geheimdienst war es in Zusammenarbeit mit obskuren NGOs und diversen Agentengruppen gelungen, durch sorgfältig geplante Verschwörung und unter dem fadenscheinigen Vorwand der Demokratie und der Menschenrechte die Rosen-Revolution Georgiens und die Orange-Revolution der Ukraine zu inszenieren. (S. 399 f.)
Die Präsenz von fünf Millionen Nordafrikanern auf dem Boden Frankreichs, die oft die französische Staatsangehörigkeit besitzen, sich jedoch weiterhin diskriminiert und ausgegrenzt fühlen, tickt wie eine Zeitbombe in den verwahrlosten Außenbezirken, den Banlieues der großen Städte. (S. 436 f.)
Ich will nichts verharmlosen und schönreden. Es kann sogar ein Schauer überkommen bei der Perspektive auf eine globale Entwicklung, anderen Ende das biologische Ende des „weißen Mannes“ stünde. (S. 446 f.)
Anmerkungen:
Alle Zitate aus: Scholl-Latour, Peter. Die Angst des weißen Mannes: Eine Welt im Umbruch. Propyläen, Berlin, 1. Aufl. 2009, ISBN 3-549-07331-3
Alle textlichen Hervorhebungen von ks-hamm.com


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