Warum Fußballpatriotismus nicht das Wahre ist

Jetzt ist es wieder so weit: Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ertrinkt Deutschland förmlich in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer. Während der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz sorgte dieses Phänomen noch für allgemeine Freude bei Konservativen und Nationalisten. Es schien, als ob das deutsche Volk seinen Nationalstolz wiederentdeckt habe. Doch die Hoffnung verflüchtigte sich schnell: Nach den sportlichen Großereignissen wurden die Fahnen weggepackt und alles ging seinen gewohnten Gang. Auch das Verhältnis zur eigenen Geschichte hat sich nicht entspannt, wie der jüngste Skandal um den „inneren Reichsparteitag“ der ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zeigte.

Die Nationalfarben werden zum Modeaccessoire

Doch wie kommt es dann zu dieser Begeisterung für Schwarz-Rot-Gold? Die Entdeckung der Nationalfarben durch die Werbeindustrie und Medien dürfte einer der Hauptgründe sein. Neben Deutschlandfahnen werden auch Kleidungsstücke, Tassen und ähnliches mit Schwarz-Rot-Gold verkauft. Die Nationalfarben werden auf ein Modeaccesoire reduziert, ihre Bedeutung rückt in den Hintergrund. Für viele sind sie während dieser Zeit ein Ausdruck für die Nationalmannschaft und damit unpolitisch und ausdrücklich kein Zeichen für Patriotismus.

Deutschland ist für sie Party und nicht Schiller, Arndt oder Bismarck. So verwundert es wenig, daß das Zeigen der Fahne zwischen den Meisterschaften geradezu als reaktionär gilt, da während dieser Zeit kaum mit ihr geworben wird. Auch lässt es sich leicht erraten, was mit den Deutschlandfahnen passiert, da die meisten Deutschen anscheinend jedes Mal eine neue brauchen. Der Industrie kann es nur recht sein.

Die Erklärung liegt in der deutschen Psyche

Ein weiterer Grund für dieses Phänomen liegt tiefer: Der Durchschnittsdeutsche braucht das Fahnenschwenken zum Fußball in seinem ansonsten vollkommen entnationalisierten Leben. Es verleiht ihm das Gefühl von Zusammengehörigkeit, ohne daß daraus etwas wie Verantwortung entstehen könnte. Er genießt die Euphorie der Masse in seiner individualisierten Welt. Er sieht den Zusammenhalt vieler Einwanderer und führt ihn auf deren ungezwungenen Umgang mit ihren Nationalflaggen zurück, anstatt auf den Stolz und das Wissen um die eigene Kultur. So wird das Zeigen der deutschen Flagge zum Alibi für das Fehlen eines eigenen Nationalstolzes und für fehlendes Engagement in der eigenen Gesellschaft. Dadurch lässt sich auch die Heftigkeit der schwarz-rot-goldenen Ausbrüche erklären.

In totaler Verkennung der Situation hetzt die Antifa wieder, wie bei der Weltmeisterschaft in Deutschland, gegen die deutschen Farben. So hat der „anti-nationale Weltfußballverband“ dazu aufgerufen, alle Fanartikel, die sich positiv auf eine Nation beziehen, zu stehlen. Der Verband sieht in den Feierlichkeiten während der WM „nationale und rassistische Auswüchse“. Doch wenigstens erkennt man, daß der Deutsche sich „Schrott unterjubeln“ lasse. Den Durchschnittsdeutschen kümmert das aber wenig.

Der Politik kann es nur recht sein

Neben der Industrie profitiert auch die Politik von der allgemeinen Euphorie. Ihr kommt die Weltmeisterschaft wie gerufen. Da der Großteil der Bevölkerung abgelenkt ist, hat die Bundesregierung einen Monat Zeit, um unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen. So glätteten sich die Wogen um die neuen Sparpläne erstaunlich schnell nach Beginn der WM.

Die Jubeldeutschen sind damit der deutschen Regierung mindestens genauso nützlich, wie die von allen belächelten Jubelchinesen für Nordkorea. Wir werden Berlin genau im Auge behalten müssen, denn die Sparpläne waren bestimmt noch nicht das Ende. Vor allem wehr-, finanz- und europapolitische Äußerungen und Diskussionen sorgten in letzten Wochen für viel Kritik an der Regierung. Der Verdacht liegt nahe, daß die Entscheidungen zu diesen Themen jetzt, durch den allgemeinen Jubel gedeckt, durchgewunken werden. Gerade jetzt ist es daher wichtig, einen klaren Kopf zu behalten und sich nicht vom Strom des Jubels mitreißen zulassen. WM ist schließlich nur alle vier Jahre, Politik aber täglich.

Quelle: Blaue Narzisse