Das ist Ostfriesland

Wir verstehen darunter das Gebiet der heutigen Landkreise Leer, Aurich und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden. Dies ist ziemlich genau das Gebiet des ehemaligen Fürstentums Ostfriesland (1464 bis 1744) und später des Regierungsbezirks Aurich, der innerhalb Preußens lag und noch später zu Niedersachsen gehörte (1744-1978).

Das Ostfriesland-Wappen

Das heute meist gebräuchliche Wappen Ostfrieslands ist das Wappen der ostfriesischen Grafenfamilie Cirksena. In seiner heute bekannten Form wurde es 1625 von Graf Rudolf Christian festgelegt und vereint in sich die Wappen der wichtigsten ostfriesischen Häuptlingsgeschlechter, auf die sich die Cirksena berufen haben, verwandschaftlich verbunden warenund deren Herrschaften sie übernahmen.

Ab dem 13.Jahrhundert lebten in Ostfriesland freie Bauern, denen das sonst so verbreitete Lehenswesen unbekannt war. Sie dienten keinem Herren, sondern wählten an einer alten Thingstätte, dem Upstalsboom bei Aurich, ihre Vorsteher. Aus diesen Vorstehern gingen schließlich wichtige Familien hervor, die nach dem Ende der Friesischen Freiheit die Häuptlinge hervorbrachten.

Ihre Wappen sind heute Bestandteile des Ostfrieslandwappens, das von den Cirksena so zusammengefügt wurde:

  • Oben links:
    Das eigene Wappen der Familie Cirksena aus Greetsiel. Das heraldische
    Bild des Cirksena-Jungfrauenadlers findet sich heute beispielsweise
    noch in den Wappen der ostfriesischen Stadt Emden, des ostfriesischen
    Landkreises Aurich, der groningschen Stadt Delfzijl und auch im Wappen
    des Fürstentums Liechtenstein, allerdings häufig in veränderte
    Farbgebung. Im Original steht ein goldener Adler auf schwarzem
    Untergrund. Vom Cirksena-Wappen stammt auch der mittlere Helm über dem
    Wappen. Die Cirksena wurden 1464 zu Grafen von Ostfriesland erhoben und
    starben 1744 aus.
  • Oben rechts: Das Wappen der
    Familie tom Brok aus dem Brookmerland, ein goldener gekrönter Adler auf
    rotem Grund. Diese Familie war als erste Häuptlingsfamilie im 14.
    Jahrhundert zu Macht über fast ganz Ostfriesland gekommen und erst 1426
    von einer ostfriesischen Koalition unter Fokko Ukena besiegt worden.
    Aus dem Wappen der tom Brok stammt zudem der linke Wappenhelm.
  • Mitte links:
    Das Wappen der Häuptlingsfamilie von Manslagt aus der Krummhörn, die
    schon seit vorgräflicher Zeit durch Heirat mit den Cirksena verbunden
    war. Das Wappen zeigt ein silbernes Feld, das von einem roten Balken
    geteilt wird, der mit fünf abwechselnd goldenen und silbernen Rauten
    besetzt ist. Über dem Balken sind zwei blaue und unter dem Balken ein
    blauer Sichelmond
  • Mitte rechts: Das Wappen des Fokko
    Ukena aus Leer und Moormerland. Ukena hatte das südliche Ostfriesland
    und nach den tom Brok fast ganz Ostfriesland beherrscht, bis er 1431
    vom “Freiheitsbund der Sieben Ostfrieslande” unter Führung der Cirksena
    gestürzt wurde. Fokkos Enkelin Theda war Frau des ersten Grafen von
    Ostfriesland, Ulrich I. Cirksena, und selbst regierende Gräfin von 1466
    bis 1480. Das Wappen Ukenas, ein aufrechter Löwe mit einer gestürzten
    Krone, findet sich heute noch im Wappen des ostfriesischen Landkreises
    Leer.
  • Unten links: Das Wappen zeigt den Esenser
    Bären, der heute immer noch im Wappen der Stadt Esens vorkommt. Im
    Ostfriesischen Wappen ist es ein schwarzer Bär auf goldenem Grund.
  • Unten rechts:
    Das Wappen des Häuptlings Hero Omken aus dem Geschlecht der Attena. Die
    beiden unteren Wappen – also das Esenser Bärenwappen und die beiden
    gekreuzten Lanzen/Peitschen stehen zusammen für das Harlingerland, dass
    lange von Häuptlingen aus dem Geschlecht der Attena beherrscht wurde.
    Im 1540 starb mit Balthasar von Esens der letzte Häuptling aus dem
    Hause Attena und das Harlingerland kam über Umweg über die Grafen von
    Rietberg im Jahr 1600 an den ostfriesischen Grafen Enno III. Erst 1625
    wurde das Harlingerland formal in die Grafschaft eingegliedert -
    symboliert durch das ab diesem Zeitpunkt geltende sechsschildrige
    Wappen. Der rechte Helm über dem großen Ostfrieslandwappen ist auch dem
    Harlinger Wappen entnommen.

(Seitenangaben unheraldisch)

Eala Frya Fresena

Der Wappenspruch Eala Frya Fresena
bringt die Tradition der Friesischen Freiheit zum Ausdruck. In wie weit
er historisch korrekt ist, bleibt nicht zu klären, denn die Bezeugung
des Spruchs setzt erst spät ein. Auch ist die Übersetzung des Spruchs
nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich bedeutet er in etwa sowas wie
“Erhebt euch, freie Friesen”. Dies soll als Gegensatz zur feudalen
Niederwerfung gedacht gewesen sein. Eng verknüpft mit dem Ausruf Eala Frya Fresena ist der plattdeutsche Ausspruch “Lever dood as Slaav” (“Lieber tot als Sklave”), der als Antwort darauf gilt.

Die ostfriesische Flagge

Die Farben der Flagge sind schwarz-rot-blau in drei waagerechten
Balken. Diese Farben ergeben sich aus dem Wappen: Schwarz ist dem
Wappen der Cirksena entnommen, Rot dem Wappen der tom Brok und Blau
steht für die Harlingerländer Wappen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts
hat auch die Ostfriesische Landschaft in Aurich diese Flagge
angenommen, damit ist sie hochoffiziell die Flagge Ostfrieslands.

Ostfriesland – ein Land mit zwei Wappen?

Das große Cirksena-Wappen führt die Ostfriesische Landschaft im Gegensatz zur schwarz-rot-blauen Flagge nicht, denn die Ostfriesische Landschaft ist im Besitz eines eigenen Wappens, das 1678 durch den römisch-deutschen Kaiser verliehen wurde – ein einmaliger Vorgang im alten Reich für eine solche ständische Organisation. Da die Ostfriesische Landschaft quasiein zweiter Souverän im Fürstentum neben den Cirksena-Fürsten (und später neben den Herrschern aus Preußen) war, hatte sie auch das hoheitliche Recht, ein Wappen zu führen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Ostfriesland zwei Wappen besitzt: das sechsgliedrige gräfliche Wappen, das allgemein als ostfriesisches Wappen gebraucht wird, und das Upstalsboom-Wappen der Ostfriesischen Landschaft.

Die ostfriesische Hymne

Landauf, landab wird in Ostfriesland ein Lied immer wieder gesungen und wurde auf diese Weise zum Lied der Ostfriesen. Es lautet so:

In Oostfreesland is’t am besten

In Oostfreesland is’t am besten
over Freesland geit der nix!
War sünd woll de Wichter mojer,
war de Jungse woll so fix?
In Oostfreesland mag ik wesen,
anners nargens lever wesen,
over Freesland geit der nix.

Nargens bleiht de Saat so moje,
nargens is de Buur so riek,
nargens sünd de Kojen fetter,
nargens geiht de Ploog so liek,
nargens gifft’t so feste Knaken,
weet man leckerder to maken
Botter, Kees’ un Karmelkbree.

Nä,’t is nargens, nargens bäter
as war hoch de Dieken staan,
war up’t Eiland an de Dünen
hoch herup de Bulgen slaan;
war so luut de Nordsee bullert,
war ji könen up de Dullert
Dreemast-Schepen faren seen.

War in’d Wagen Törf un Kienholt
worden haalt van’t Hochmoor her;
war de ganse Welt sück lüstig
makt up’t Is bi’t Eierbeer;
war s’ int Feld mit Kloten scheten,
wor se Bookweit-Schubbers eten,
Harm up Freersfoten geit.

För Oostfreesland, för Oostfreesland
laat ick Blot un Leven geern,
was’k doch man weer in Oostfreesland,
war so mennig söte Deern!
In de Frömde wünsk ik faken:
Kunk doch Moders Breepott smaken;
sat’k doch weer in ‘d Hörn bi’t Für!

(Enno Hektor, 1850)

Die Melodie des Ostfrieslandliedes ist die gleiche wie die des
berühmten deutschen Volksliedes “Weißt Du wieviel Sternlein stehen?”

Noten

Der Überlieferung nach dichtete Enno Hektor dieses sentimentale Lied im
Jahre 1850 auf einer Zwischenstation in der Gaststätte Knieps in Dernau
(südlich von Bonn an der Ahr gelegen). Wie so viele vor und nach ihm
hatte er seine ostfriesische Heimat in Dornum aus wirtschaftlichen
Gründen verlassen müssen. Da er sich sein Leben lang auch in der Ferne
für die ostfriesische Kultur und Sprache eingesetzt hat, kann man ihn
mit Fug und Recht als einen der ersten ostfriesischen Botschafter
bezeichnen.

Das Lied hatte ursprünglich den Titel “Sehnsucht nach der Heimat”, aber
wird heute meist nach der ersten Textzeile “In Oostfreesland is’t am
besten” oder schlicht “Ostfriesenlied” genannt. Da der Text nicht nur
sentimental ist, sondern auch sehr selbstironisch ostfriesische
Eigenarten auf die Schippe nimmt, wird vermutet, dass Enno Hektor es
eventuell als eine Art Parodie auf das “Deutschlandlied” geschrieben
hat. Die schwermütige Nationalhymne Deutschlands entstand nämlich kurz
zuvor auf Helgoland.

0 Antworten zu “Heimat Infos”


  1. Keine Kommentare

Einen Kommentar abgeben




STIMMT FÜR UNSERE SEITE!!! Topliste von www.widerstand.info

Übersicht

 

März 2010
M D M D F S S
« Jan    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  
Radio Autonom
BESUCHERZÄHLER Kostenloser Counter von www.ip.logr.org!