Neuerscheinung: „DUX. Mussolini – oder der Wille zur Macht“

Soeben ist im Ares-Verlag Werner Bräuningers Mussolini-Biografie „DUX. Mussolini – oder der Wille zur Macht“ erschienen. Der Autor gilt als einer der besten Kenner der totalitären Strömungen im Europa des 20. Jahrhunderts und ist unter anderem mit Arbeiten über die innere Opposition im NS-Staate, sowie über die geistesgeschichtlichen Wurzeln im Denken Claus von Stauffenbergs hervorgetreten. Auch in Debatte und Kontroverse um Werk und Person Ernst Jüngers griff er wiederholt ein. Seine Veröffentlichungen fanden Beachtung von der FAZ über die Welt bis zur renommierten Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. In der Gesamtbetrachtung also eine vielversprechende Neuerscheinung, hier vorab Auszüge aus dem Klappentext: „Neuerscheinung: „DUX. Mussolini – oder der Wille zur Macht““ weiterlesen

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Sven Skoda hatte vor der Bundestagswahl einen Artikel zur AfD geschrieben, der Ende Oktober von Peter Steinborn auf der metapolitischen Seite Gegenstrom kritisiert wurde, hier nun mein Beitrag zur laufenden Debatte, mit dem ich Unschärfen und falsche konservative Hoffnungen herausnehmen will.

Schon bei der oberflächlichen Lektüre wird deutlich, daß Steinborn einer grundsätzlichen Täuschung zum Opfer fällt, wenn er davon schreibt, daß Skoda „seine Leserschaft davor warnte, Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) zu wählen“. Auch im weiteren Text schreibt er ganz allgemein von Skodas „Leser“, obwohl Skodas Blog ganz klar an ihm nahestehende Aktivisten gerichtet ist und nicht allgemein an das Wahlvolk – schon der Blogtitel „Rhein, Rausch, Randale“ weist deutlich darauf hin, daß aktions- und erlebnisorientierte Aktivisten die Zielgruppe sind, wie auch der Inhalt seiner anderen Artikel und die Selbstbeschreibung: „Dieser Blog soll eine Brücke sein. Eine Brücke zur Lebenswirklichkeit von nationalen und sozialistischen Aktivisten entlang des Rheins.“
Damit wird klar, daß es Skoda nicht darum geht, die allgemeine „Leserschaft“ zu warnen, sich nicht mit dem Teufel einzulassen, sondern die Aktivisten davor zu bewahren „mit der Politik der AFD in einen Topf geworfen“ zu werden, explizit: „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ weiterlesen

Horst Wessel – Einer von uns

Ganz klein klebte das Bild an einer Stuhllehne im Jugendzentrum in der Lückstraße 58. Paula erschrak: das war tatsächlich Horst Wessel. Hier an diesem Stuhl befand sich das Herz des JuZ, dort wo es nicht mehr national oder nationalrevolutionär, sondern nationalsozialistisch war.

Von dem Bildchen ging eine Magie aus wie von den Heiligenbildern, die früher an Kinder als Fleißkärtchen verteilt wurden. Als Fontane-Leserin mußte Paula auch an den Chinesen denken. Von dem klebte ein kleines Bildchen auf einem Stuhl auf dem Dachboden und verbreitete von dort seinen Spuk im ganzen Haus. Ein Chinese galt damals als gefährlich, weil unchristlich. Das Bild des Chinesen in Fontanes Roman „Effi Briest“ ist die Umkehrung des Heiligenbildchens. Und das gleiche gilt vom Horst-Wessel-Bild. Man bekommt es erst, wenn man den Schulautoritäten den Rücken gewendet hat. Immer wenn Paula am Dienstag zum „Lesezirkel“ ins JuZ kam, blickte sie nach dem Horst Wessel hin. Jedes Mal war er da. Und immer fragte sie sich, wie dieser feine und schmächtige Typ zum Helden der SA werden konnte. Typen, die man sich gut bei der SA vorstellen konnte, sahen anders aus. Unter den Kameraden gab es einige. Horst Wessel war anders.

Ende Februar hieß es plötzlich: „Am 23. ist Gedenkveranstaltung am Grab von Horst Wessel“. Die Biographie, die Paula sich inzwischen besorgt hatte, behauptet, daß „die Neonazis“ an der Gestalt nicht mehr interessiert seien. Tatsächlich wäre es denkbar, daß sich „die Neonazis“ so entwickelt hätten wie die katholische Kirche, die ihre Heiligen nicht mehr verehrt, sondern nur von Tagesaktualitäten spricht. Diese Gefahr besteht in der Tat. Das Tagesaktuelle drängt sich überall auf, das Fundamentale liegt verborgen. „Horst Wessel – Einer von uns“ weiterlesen

Zum 30. Januar

Die Nationalsozialisten veranstalten am Abend des 30. Januar 1933 einen Fackelzug durch Berlin.

1. Die Fakten

Seit dem 13. August 1932 geriet die NSDAP immer stärker in die Krise. An diesem Tag war der Anspruch Hitlers, Reichskanzler zu werden, von den Konservativen wiederum zurückgewiesen worden. Die Wahlergebnisse waren seit 1930 so hoch, daß die Machtfrage im Raum stand, aber sie genügten auch wieder nicht, um für Hitler die Macht eindeutig zu gewinnen. Deshalb mußte er sich an dem ständigen Pokern um eine Regierung beteiligen, und das wiederholte Scheitern nagte an der Attraktivität der NSDAP. Immer weniger glaubten die Anhänger schließlich an eine Machtübernahme.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1932 nahm dieser Glaubwürdigkeitsverlust immer deutlichere Formen an. Goebbels schreibt: „Unsere Gegner rechnen auch damit, daß wir in diesem Kampf die Nerven verlieren und mürbe werden.

Joachim Fest spricht von dem „Nimbus der Unwiderstehlichkeit“, den die Partei dabei war zu verlieren, und daß dies den „Absturz ins Bodenlose“ hätte bedeuten können. „Zum 30. Januar“ weiterlesen

Paula sieht sich ihre Bilder an

Wenn Paula Besuch bekommt, saugt sie nicht nur den Teppich und staubt die Regale ab, sie unterzieht auch die Wände einer kurzen Prüfung, ob das, was da hängt, für den Besuch auch adäquat ist. Der größere Teil von Paulas Wänden ist mit Tierbildern geschmückt. Heute ganz trivial und gerade in den unteren Schichten verbreitet ist die Neigung, das Zimmer mit diversen Bären, Pinguinen, Entenküken und – besonders beliebt – mit Erdmännchen auszustatten. Es deutet dies – den Leuten unbewußt – in die Zeiten des Heidentums zurück, als Tiergötter verehrt wurden wie Horus, der Falke, Anubis, der Schakal, oder Basset, die Katze. Im alten Ägypten beherrschten Tiere geradezu die Theologie, bei den Griechen verwandelten sich die Götter immerhin noch in Stiere und Schwäne, was sich in der Kunstgeschichte höchst anziehend niederschlägt. Auch die Germanen hatten heilige Tiere wie die Raben Wotans, und alle Naturvölker („Primitive“) sind – ganz ohne Darwin – davon überzeugt, daß Tiere und Menschen den gleichen Ursprung haben. „Paula sieht sich ihre Bilder an“ weiterlesen

Nach Absage der Verbots-Party

So schön hatten sich die Herrschenden die Verkündung des NPD-Verbots beim Bundesverfassungsgericht vorgestellt, endlich wieder den Rechten „klare Kante“ gezeigt und „ein Zeichen gesetzt“, die Verbots-Party hätte nicht schöner sein können.
Aber die Akteure des Bundesverfassungsgerichts sind keine Anhänger billiger Symbolpolitik in Regierungsart, sie wollen juristische Fakten mit Bestand schaffen.

So war ihr Hinweis auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), als noch mögliche Instanz nach einem Verbot, auch eine willkommene Entschuldigung für das ausgebliebene Verbot. Die NPD sei zu unbedeutend nach den Vorgaben des EGMR, und deswegen als Partei nicht verbietbar.

Zusätzlich gaben sie den Regierenden Hinweise, wie sie mit der Streichung der Finanzierung der NPD durch Änderung des Grundgesetzes doch noch einen Schlag versetzen können. Und dieser Hinweis ist nicht unverbindlicher Natur, er signalisiert den Herrschenden, daß ein solches Vorgehen vom Gericht in Zukunft wohlwollend behandelt wird.

Der Kern der nun geschaffenen juristischen Fakten ist die Begründung der Verfassungsfeindlichkeit der NPD. „Nach Absage der Verbots-Party“ weiterlesen

Was hält Hitler von Tattoos?

Manche Weihnachtsfeiern haben Folgen, die bis in den Januar hineinreichen. Zum Beispiel weiß der Andreas jetzt, daß Paula ein Tattoo hat. Sie erzählte es ihm, weil Andreas ihr Tischnachbar war, und weil man auf der Weihnachtsfeier nette, amüsante Geschichten erzählen soll, um die Stimmung zu heben.

Die Stimmung war eher gedämpft, nachdem alle das weit draußen gelegene Lokal (im Berliner Jargon: jwd) mit dem eigenen Auto, als Mitfahrer oder sogar mit der Straßenbahn endlich erreicht hatten. Alles fragte sich, wieso man so weit fahren muß, um ein bestenfalls durchschnittliches Restaurant im kitschigen Kleinbürgerstil aufzusuchen. Auch die Tischordnung folgte den zivilen Büroregeln und hatte nichts von einem gemütlichen, kameradschaftlichen Besäufnis. Obwohl bei diesen Bürofeiern genauso viel gesoffen wird.
„Was hält Hitler von Tattoos?“ weiterlesen

Carl Schmitt auf dem Weihnachtsmarkt

Das Wort „Gemütlichkeit“ ist nicht übersetzbar. Ein typisch deutsches Empfinden wird hier ausgedrückt. Franzosen und Engländer übernehmen das deutsche Wort, wenn sie etwas ähnliches meinen. Im Zuge der Multikulturalisierung versuchen sie auch, die deutsche Gemütlichkeit zu übernehmen, indem sie zum Beispiel in London oder Paris „Weihnachtsmärkte“ einrichten. Nicht immer hatte „gemütlich“ im Deutschen die gleiche Bedeutung wie jetzt. Im 18. Jahrhundert bedeutete es „voller Gemüt“, also etwas wie gefühlvoll, erst in der Biedermeierzeit hieß es „Behaglichkeit“. Aber was macht „Behaglichkeit“ aus?

Über diese Fragen unterhalten sich Paula und zwei Kameraden, während sie über den Weihnachtsmarkt am Schloß schlendern. Da steht eine lebensgroße Holzkrippe mit echten Schafen und Ziegen, drei Musiker in Weihnachtsmann-Kluft intonieren – etwas falsch – „Leise rieselt der Schnee“, und an den Verkaufsständen baumeln Engel aus Glas und Kugeln mit goldenen Sternen. Schon hat sich die Dunkelheit herabgesenkt, und immer mehr Leute sammeln sich um die Glühweinstände. Auch für Paula und ihre Begleiter ist die Hauptintention nicht etwa der Erwerb einer bestickten Lederbörse als Weihnachtsgeschenk in letzter Minuten, sondern jene gesteigerte „Gemütlichkeit“, die durch ein oder zwei Gläser Glühwein ausgelöst wird. „Carl Schmitt auf dem Weihnachtsmarkt“ weiterlesen

Quo Vadis für Trump?

Eugene G. Dempsey, Autor irischer Abstammung, beschäftigt sich in seinem dritten Beitrag für unser Feuilleton mit den wirtschaftlichen Folgen der Präsidentschaft Trumps:

Am Abend des 4. November 1980 um etwa 20 Uhr 15 nach der Zeit der amerikanischen Ostküste erfuhr die Welt, daß Ronald Reagan zum 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden war. Im Unterschied dazu war es bis in die frühen Morgenstunden des 9. November 2016 nicht sicher, ob Donald Trump zum 45. Präsidenten gewählt wurde. Der Grund für diesen Zeitunterschied ist einfach. Reagan machte kurzen Prozeß mit Jimmy Carter, während Trumps Wahlsieg eine Zitterpartie war. In den Kategorien des Wahlmännergremiums schlug Reagan Carter 489 zu 49 und überzeugte 44,9 Millionen Amerikaner, für ihn zu stimmen, im Unterschied zu Carters 35,5 Millionen. Nach dem derzeitigen Stand gewann Trump das Wahlmännergremium mit etwas Atempause – 306 zu 232 – aber Clinton gewann mehr Stimmen – 65,8 Millionen zu Trumps 63,0 Millionen, das ihre Anhänger uns nicht erlauben werden, jemals zu vergessen.

Ronald Reagan wie Donald Trump gewannen die Präsidentschaft, indem sie während ihrer Kampagnen keine Unklarheit darüber ließen, daß etwas grundsätzlich falsch lief in Amerika, und daß der beste Weg, um dieses „Falsche“ abzustellen, eine radikale Reform des ökonomischen Systems war. „Quo Vadis für Trump?“ weiterlesen

Jauchzet, frohlocket – über die deutsche Musik

Richard Wagner in seinem Haus Wahnfried in Bayreuth, am Klavier Franz Liszt

Allgemein bekannt ist, daß Adolf Hitler sich für Richard Wagner begeisterte. Und zwar nicht nur in der Jugend, auch als Parteiführer ließ er sich von Ernst Hanfstaengl immer wieder auf dem Klavier vorspielen, als Staatschef besuchte er regelmäßig die Bayreuther Festspiele, und auf dem Berghof wurden Schallplatten aufgelegt. Dies alles wirkt etwas merkwürdig, wenn man sich Wagners Musik einmal anhört. Da handelt es sich nicht um zackige Märsche, Wagners Musik ist romantisch bis pathetisch und richtet sich an die Seele des einzelnen.

Merkwürdig fand Hitler das wohl selbst, denn in „Mein Kampf“ kommt der Name Richard Wagner kaum vor. Von seiner Leidenschaft spricht der Verfasser nicht. Dafür tut es sein Jugendfreund August Kubizek: „Von der Stunde an, da Richard Wagner in sein Leben trat, ließ ihn der Genius dieses Mannes nicht mehr los. (…) Ich habe in den Jahren meiner Freundschaft mit Adolf Hitler die erste Phase (die „ekstatische Begeisterung“) dieser sein ganzes Leben erfüllenden Entwicklung miterlebt.“

Hört man sich Wagner daraufhin noch einmal an, so findet man doch manche Übereinstimmungen. Das „Einsam in trüben Tagen“ aus dem „Lohengrin“ ist nicht nur die Klage eines zu Unrecht angeklagten Mädchens, sondern steht für Deutschland in einer Zeit, als es seine Bestimmung verloren hatte und unter den Völkern eine eher unglückliche Rolle spielte. „Jauchzet, frohlocket – über die deutsche Musik“ weiterlesen